Betreff
Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit in Schwelm / Konzeption des Jugendzentrums Schwelm
Vorlage
010/2016
Aktenzeichen
4/51-19 Ve
Art
Berichtsvorlage

Sachverhalt:

Der Ausschuss hat am 02. Feb. 2015 die Verwaltung beauftragt, ein Konzept zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit in Schwelm zu entwickeln. Ein Zwischenbericht wurde in der Sitzung am 31. 08. 2015 gegeben. Dabei wurde auch die Angebotsstruktur des kommunalen Jugendzentrums in der Anlage 2015_009_1 vorgestellt; sowie die Gliederung der Konzeption.

 

Ein wesentlicher Teil der Weiterentwicklung ist die Fortschreibung des Kinder- und Jugendförderplanes Stadt Schwelm 2016 – 2021. Ein weiterer wesentlicher Teil ist die Konzeption des kommunalen Jugendzentrums, Märkische Straße 16, und der Mobilen Jugendarbeit.

Der Förderplan ist jedoch vom Rat (und Hauptausschuss) zu beschließen, der Teil Konzeption Jugendzentrum ist im Jugendhilfeausschuss zu beraten. Auch weil es im Bereich der Konzeptionen des Jugendzentrums kontinuierlich Weiterentwicklungen geben wird, soll hier keine Zementierung durch einen Beschluss erfolgen.

Aufgrund der Vorgaben des Programmes „Session“ werden die Vorlagen „Kinder- und Jugendförderplan“ und „Weiterentwicklung der Jugendarbeit / Konzeption Jugendzentrum“ in getrennten Vorlagen dargestellt, obwohl sie inhaltlich miteinander verbunden sind.

 

Die Bevölkerungsentwicklung

Bevölkerungsstatistiken sind

a) in Kurzfassung für die Jahre 2009 und 2015 mit den Altergruppen 0 bis 27 Jahre im Kinder- und Jugendförderplan aufgeführt.

b) gibt die ebenfalls im Förderplan eingefügte differenziertere Einwohner-Statistik einen Überblick über die Anzahl der Kinder und Jugendlichen in den 8 Planungsbezirken der Stadt Schwelm. Diese Bezirke wurden von städtischen Stadtentwicklungsbüro festgelegt. Ein Stadtplan mit den statistischen Bezirken ist ebenfalls als Anlage beigefügt.

 

Anzahl von Kinder und jüngeren Jugendlichen hat sich auf den ersten Blick in 30 Jahren nicht wesentlich geändert. Insbesondere junge Kinder sind zahlenmäßig stark vertreten.

 

Bei der Eröffnung des Jugendzentrums am 5.10.1983 wurden statistische Angaben von Mitte 1983 festgehalten:

5.10.1983  (JZ Eröffnung)

- Einwohner:                                            31.157
- Jugendliche 0 – 15 Jahre :         3.592 , Ausl.: 741

- Jugendliche 15 – 20 Jahre:        2.214 , Ausl.: 199

 

Stichtag 23.06.2015:

Einwohner:                                  29.097

Jugendliche 0 bis 15 Jahre:           3.556 (davon Ausl.: 294)

Jugendliche 15 bis 20 Jahre:         1.340 (davon Ausl.: 169)

 

 

Standorte

Das Jugendzentrum in der Märkischen Straße 16 liegt im Bezirk Mitte; grenzt an den Bezirk Loh (der beginnt bereits in der gegenüberliegenden Nordstraße), den Bezirk Brunnen und den Bezirk Möllenkotten. Es ist somit für die allermeisten Kinder und Jugendlichen aus Schwelm gut erreichbar.

Der Standort und die Einrichtung des kommunalen Jugendzentrums an der Märkischen Straße 16 hat sich seit über 30 Jahren bewährt und soll beibehalten werden.

 

Die (weiteren) Angebote und Einrichtungen von (Offener) Jugendarbeit im Stadtbezirk sind zentral gelegen:

Innenstadt: Märkische Straße, Kirchstraße, Römerstraße,

Oberloh: Paulusgemeindehaus.

 

Erreichbarkeit

Es ist bekannt, dass Schwelm nur eine vergleichsweise kleine Fläche hat – „die Stadt der kurzen Wege“.

Es wird hier angenommen, dass die älteren Kinder und die Jugendlichen auch aus den Randbezirken der Stadt den Weg zum Jugendzentrum finden. Die  weiterführenden Schulen sind für Schwelmer Schüler auch zu erreichen, z.T. besuchen Schwelmer Schüler Schulen in Nachbarstädten.

Grundschulkinder, deren Aktionsradius weniger weit ist, erhalten auch durch die freien Träger, das Jugendzentrum und die mobile Kinder- und Jugendarbeit niedrigschwellige Angebote der Freizeitgestaltung.

 

 

Grafik Schwelm mit Anzahl der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Schwelm bis 21 J. ; nach Bezirken (Details s. Anlage).    s.u. 

 

 

 

 

Bedarfsanalyse

Es ist nicht einfach, und nicht mal eben nebenbei zu gestalten, eine repräsentative Befragung von Kindern und Jugendlichen durchzuführen. Beispielsweise könnte über die Vergabe eines Gutachtens mit dem Ziel der Befragung eines Großteils der Schwelmer Kinder und Jugendlichen nachgedacht werden. Allerdings steht zumeist der finanzielle Aufwand und der Arbeitsaufwand nicht in angemessener Relation zum Ergebnis einer umfangreichen Erhebung.

Stichprobenhafte Befragungen von Kindern und Jugendlichen ergaben z.B. Wünsche nach Fußball, Parkour. In einem durch das Land geförderten Partizipationsprojekt sind in Schwelm ca. 130 Kinder und Jugendlichen unter anderem nach Interessens­schwerpunkten befragt worden. Diese Schwerpunkte lagen insbesondere in Musik- und Sportangeboten und der freien Nutzung von Internet. Darüber hinaus waren alle anderen Angaben sehr individuell und nicht gruppierbar. Lediglich die Kritik an den mangelnden Freizeitmöglichkeiten an Schulen wurde noch öfter genannt.

 

Generell lässt sich aber ohne Gutachten bereits ableiten, dass junge Leute Räume brauchen; reale Räume und Freiräume.

Mobile Jugendarbeit bräuchte hier mehr Resourcen.

 

 

Konzeption kommunales Jugendzentrum

Für den Bereich der kommunalen Offenen Jugendarbeit wurde an einer neuen Konzeption gearbeitet. Diese sollte zunächst ein direkter Teil des Förderplanes werden. Aufgrund des Umfanges der Konzeption wird sie als Anlage beigefügt. Dies beinhaltet ins­besondere auch die Möglichkeit der fortwährenden Weiterentwicklung durch das Team des Jugendzentrums. Diese Fortschreibung der Konzeption wird vor allem im didaktisch methodischen Bereich passieren.

Bei der Beschäftigung mit der Thematik der Konzeptionserstellung stellt sich heraus, dass Konzepte nicht fertig aus der Schublade gezogen werden können. Sie sollten sehr spezifisch für die jeweilige Praxis, die Ziele und Zielgruppen, die Besonderheiten der Institution, der Stadt usw. entwickelt werden. 

 

Auch und insbesondere in der Konzeption des Jugendzentrums, also der Offenen Jugendarbeit des kommunalen Trägers, werden gesellschaftliche Bedingungen des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft und in Schwelm betrachtet.

 

Über die besondere Bedeutung von Jugendarbeit als wichtiges Sozialisationsfeld für Kinder und Jugendliche wird an verschiedenen Stellen im Förderplan und in der Konzeption des Jugendzentrums näher informiert.

 

Das kommunale Jugendzentrum hat bei seinen Ausstattungsmerkmalen und Umfeld­bedingungen zentrale ‚Alleinstellungsmerkmale‘, die in der Konzeption näher beschrieben sind.  Dabei ist nicht zu verkennen, dass dieses Gebäude speziell für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen entwickelt und gebaut wurde.

 

§ 3 (2) KJFöG  (Auszug)

Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sollen darauf hinwirken, dass sie die besonderen Belange von Kindern und Jugendlichen in benachteiligten Lebenswelten und von jungen Menschen mit Migrationshintergrund berücksichtigen.

 

Die Verortung des Jugendzentrums liegt im Einzugsgebiet zweier großer Wohn­komplexe mit vielen sozial benachteiligten Kindern und Familien. Einerseits dem ‚Rondoleum‘ und andererseits den Hochhäusern an der Möllenkotter Straße und an der Hauptstraße. Beide Siedlungen beherbergen viele  Kinder und Besucher mit Migrationshintergrund, die zum Besucherkreis des Jugendzentrums gehören.

 

In direkter Nachbarschaft des Jugendzentrums befindet sich die Flüchtlingsunterkunft in der Turnhalle Markgrafenstraße. Weiterhin dürfte das Gebäude der Kaiserstraße 69 auch in absehbarer Zeit von Flüchtlingsfamilien bewohnt sein.

Hier wird das Jugendzentrum für Kinder und Jugendliche auch ein Anlaufpunkt mit Spiel- und Gestaltungsmöglichkeiten, ein Ort des Lernens, sein.

Die besonderen Bedürfnisse und Herausforderungen der direkten räumlichen Umgebung des Jugendzentrums werden auch dadurch deutlich, dass das Projekt Jugend stärken im Quartier  im ‚K u K – Viertel‘  hier angesiedelt wurde. (s. Kinder- Jugendförderplan 2.5) 

 

Einfluss der Ganztagsschule

In den letzten Jahren wurde das Angebot an Nachmittagsbetreuung und –unterricht an den Schulen ausgebaut. Im Jugendzentrum wirkte sich dies bisher nur teilweise aus. Die Öffnungszeiten wurden um eine halbe Stunde nach hinten verlegt.

 

Da diese Fragestellung auch andere Jugendeinrichtungen im Lande beschäftigt, wurde in einem ‚Vier-Städte-Projekt‘ (NRW) ein Forschungsprojekt  gestartet. Diese Untersuchung gilt aber nicht als repräsentativ (11 Einrichtungen in 4 Kommunen).

Diese Untersuchung ist noch für die Jugendarbeit in Schwelm auszuwerten.

Einzelne Zitate werden kurz vorgestellt:

„Ob sich durch den verschobenen Beginn der Freizeit letztlich ein Rückgang an Besucherinnen und Besuchern in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ergibt, ist nicht eindeutig feststellbar.“

„Es ergibt sich aus der Einführung der Ganztagsschule in NRW nicht per se ein Handlungsbedarf (wie zum Beispiel eine Änderung der Öffnungszeiten) für die Offene Kinder- und Jugendarbeit.“

s. Lisa Pink/Holger Schmidt in deutsche jugend 2/2015 und 3/2015.

 

 

Beteiligung

Der Stadtjugendring sind sich in mehreren Sitzungen mit dem Standort, den Angeboten, dem Raumkonzept des kommunalen Jugendzentrums, aber auch den weiteren Einrichtungen der Jugendarbeit auseinandergesetzt. Der Jugendring sieht

das kommunale Jugendzentrum an diesem Standort als unverzichtbar an.

Bei der Entwicklung der Konzeption sowie bei der alltäglichen inhaltlichen Arbeit des Jugendzentrums wurden und werden die Kinder und Jugendlichen dadurch beteiligt, dass ihre Wünsche und Anregungen stetig aufgriffen und auf ihre Bedürfnisse eingegangen wird.

 

Beschlussvorschlag:

Der Jugendhilfeausschuss nimmt die fortgeschriebene Konzeption für das kommunale Jugendzentrum Schwelm, Märkische Straße 16 und den Stand der Weiterentwicklung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Schwelm zur Kenntnis.

 

 

 

Die Bürgermeisterin

In Vertretung

gez. Schweinsberg